„Ich will anders sein“

Von der blöden Angewohnheit, sich unbedingt ändern zu wollen, weil man sich selbst nicht mag

Kennst du das auch?

Du findest dich

  • zu weich
  • zu hart
  • zu dünn
  • zu dick
  • zu redselig
  • zu still
  • zu laut
  • zu leise
  • zu kritisch
  • zu leichtgläubig
  • zu ungeduldig
  • zu erfolglos
  • und und und

Mal ehrlich. Was ist es bei dir? Was nervt dich an dir besonders? Und womit kannst du dich einfach nicht abfinden, was du gleichzeitig auch nicht ändern kannst?  Was ist es bei dir, was du an dir selbst ablehnst und am liebsten los werden willst, während du spürst, dass du es nicht los werden kannst?

Also bei mir gibt es Dinge, die ich viele viele Jahre versuchte loszuwerden, es mir aber nie so richtig gelingen wollte.
Da wäre z.B. meine Sensibilität, meine Weichheit, meine Sensitivität. Manchmal geht es mir SO RICHTIG auf die Nerven, dass ich so sensibel bin. Ich reagiere sehr schnell auf mein Umfeld. Ich habe manchmal das Gefühl, ich kann ALLES fühlen und spüren, was ich besser nicht fühlen sollte. Da schwappen so manches Mal Gefühle oder Stimmungen von Anderen zu mir herüber, die ich sofort wahrnehme. (Es ist glücklicherweise längst nicht mehr so, dass ich das alles auf mich beziehe. Abgrenzung ist hier sehr wichtig für mich.) Außerdem habe ich plötzlich Gedanken, die sich nachher als wahr heraus stellen; sozusagen Geistesblitze.  Ich weiß nicht, wie oft ich sage „Ach, das habe ich gewusst. Den Gedanken hatte ich eben.“

Dazu kommt mein enormes Einfühlungsvermögen und das Verständnis für die Sicht anderer Menschen. Dadurch bin ich nicht rechthaberisch, denn ich lasse jedem seine Sicht der Dinge. Jedoch muss ich aufpassen, dass ich dennoch meinen eigenen Werten treu bleibe und mich nicht zu sehr auf die andere Seite „einfühle“ und meine Sicht der Dinge für weniger wichtig halte. So manches Mal wünsche ich mir, dass ich so durchsetzungsstark bin manch andere Frau, die „straight“ durchs Leben geht und eben nicht immer schaut, dass auch die Bedürfnisse der Anderen erfüllt werden.

Ja, ich hadere immer mal wieder mit meinem Einfühlungsvermögen, mit meiner Sensibilität, mit meiner tiefen, manchmal unergründlichen Gedankenwelt. Und ja, ich wünsche mir manchmal, stärker, härter, selbstbewusster und offener zu wirken. Und zu sein. 

 

Fragen, die deine Welt verändern können

Gibt es auch Eigenschaften an dir, die du manchmal verteufelst und am liebsten loswerden willst?

Gibt es Anteile in dir, die du ablehnst und die du immer wieder bekämpfst?
Und will es dir einfach nicht gelingen, diese „bösen“ Anteile abzuschütteln?

Meine Fragen an dich:

  • Wie viel (Lebens)Energie hast du schon verpulvert, weil du glaubst, dich verändern zu müssen?
  • Wie viele Gedanken hast du schon gedacht, in denen du dich kritisiert hast?
  • Wie viel (Lebens)Zeit hast du schon damit vergeudet, darüber nachzudenken, dass du anders sein willst?
  • Und wie viel (Lebens)Zeit hat es dich bereits gekostet, dich darüber zu ärgern, dass du nicht so bist, wie du dich gerne hättest?
  • Welchen (hohen) Stellenwert haben deine „Defizite“ in deinem Leben?
  • Wie fühlt sich dein Körper mit dem ständigen Gedanken, anders sein zu wollen?

Viel Energie? Viele Gedanken? Viel Zeit? Einen hohen Stellenwert? Dein Körper fühlt sich an wie erstarrt, bedrückt oder eingeengt?

Und willst du weiterhin so viel Zeit deines kostbaren Lebens damit verbringen, dich ändern zu wollen?

Willst du am Ende deines Leben auf deinem Grabstein den Satz stehen sehen
„Sie hat ihr Leben damit verbracht, sich ändern zu wollen“?

Also ich definitiv nicht. Ich wollte meine Lebenszeit nicht immer nur damit verbringen, die Dinge in den Fokus meines Lebens zu stellen, die ich an mir nicht mag. 

Und ich wünsche mir für dich, dass auch du die Entscheidung triffst, heute, hier und jetzt, endlich Schluss zu machen mit der ewigen Selbstkritik.

Hinterfrage dich, ob die Selbstkritik dir wertvolle Lebenszeit und Lebensqualität raubt. Und wenn du mit JA antwortest, lass sie gehen und wende dich dem Leben zu, das du gestalten und kreieren möchtest.

 

„Schwachstellen“ erkennen

Es ist immer sinnvoll, die eigenen Schwachstellen zu kennen. Ich weiß z.B., dass mein Einfühlungsvermögen so groß ist, dass ich die Sicht anderer Menschen verstehen kann, auch wenn ich eine andere Sicht habe. Ich weiß, dass ich dazu neige, MICH dann hinten anzustellen. Diese „Gefahr“ ist mir bewusst, denn das würde bedeutet, dass ich hier und da meine eigenen Werte verraten würde, damit „der Andere“ seinen Werten treu bleiben kann (weil ich ihn ja so gut verstehe). Diese Gefahr kenne ich. Und das ist wichtig, um mich immer wieder selbst zu hinterfragen und um mich abgrenzen zu können.

Deswegen empfehle ich dir, mal bei dir zu schauen, wo deine persönlichen „Schwachstellen“ sind und auf welche „Gefahren“ du Obacht geben darfst.

 

Vorzüge erkennen

Alles hat zwei Seiten. Also hat auch die Eigenschaft, die du an dir nicht magst, etwas Gutes.

Ich z.B. möchte ja gerne immer „härter“ sein; eben weniger weich, weniger sensibel, weniger verletzlich.

Meine Schwächen haben jedoch auch einige Stärken, die ich in meiner Arbeit nutzen kann.

Ich kann andere Menschen wirklich „sehen“. Ich fühle ihre Essenz, spüre ihr Potenzial und auch ihre Zweifel. Und ich finde immer die richtigen Fragen, die die Menschen, mit denen ich arbeite, absolut in die heilsame Tiefe ihrer Seele bringen.

Meine Weichheit lässt es zu, dass Menschen mir bei der ersten Begegnung vertrauen und sich fallen lassen können. Außerdem kann ich mich gut in die Seelenenergie einfühlen und über meine eigenen Grenzen hinaus gehen. Ich fühle ihren Schmerz und sehe Wege in die Transformation.

Ich bin so weich, dass ich offen für Eingebungen von außen bin. In Coachings empfange ich oft Bilder, die meinen Kundinnen helfen, Dinge voll und ganz verstehen zu können. Außerdem „weiß“ ich Dinge und treffe damit oft den Nagel auf den Kopf, was es im Coaching ermöglicht, wirklich an den Kern zu kommen.

Das, was ich also immer loswerden wollte, ist mir heute sehr dienlich. Denn ich weiß damit umzugehen. Ich kenne die „Gefahren“ (mangelnde Abgrenzung, „bei mir bleiben“) und die wertvollen Vorzüge dieser Eigenschaften.

Das waren ganz ganz wichtige Erkenntnisse, die mir geholfen haben, mich so zu akzeptieren, wie ich bin.

 

Du bist noch so viel mehr

Noch eine Sache, dir mir unfassbar wichtig ist, hier noch zu erwähnen.

Ich nehme wieder mich als Beispiel, damit ich es gut darstellen kann.

Ich habe mit meiner Sensibilität (dieses Wort nehme ich mal als Oberbegriff) lange Zeit keine echte Freundschaft schließen können. Ich wollte immer anders sein. Dieses „anders sein wollen“ beherrschte mein Leben. Ich beschäftigte mich nur damit, wie ich „härter“ sein kann. Und gleichzeitig lag mein Fokus eben immer auf diesem (meinem) Mangel. Dieser Mangel stand im Mittelpunkt meines Lebens. Und ich definierte mich über diesen „Mangel“. Ich war dieser Mangel. Sozusagen.

Was ich dabei jedoch völlig übersah, war die Tatsache, dass ich noch so viel mehr war. Nämlich nicht nur weich, sondern auch

  • humorvoll
  • spontan
  • begeisterungsfähig
  • abenteuerlich
  • eine gute Mutter
  • eine hinreißende Ehefrau
  • eine leidenschaftliche Autorin und Handreicherin
  • neugierig
  • temperamentvoll
  • freundlich
  • optimistisch
  • und Vieles mehr

Als ich mir das wirklich vor Augen führte, wurde mir klar, dass ich viel zu viel (Lebens)Zeit damit verschwendete, mich verändern zu wollen, weil die ein oder andere Eigenschaft mir nicht gefällt, anstatt meine Zeit damit zu verbringen, mir ein geniales, lustiges und abenteuerliches Leben zu kreieren. 

Ich liebe Abenteuer. Ich mag Herausforderungen und ich probiere gerne Neues aus.
Warum mich nicht darauf konzentrieren und mir das geben, was ich brauche, um mich glücklich und lebendig zu fühlen?

Ich liebe das Schreiben, das Coachen und allgemein meine Arbeit, die ich jeden Tag tun darf.
Ich liebe die Weiterentwicklung und die Spiritualität.
Warum sollte ich mich mit meinem „Schwächen“ beschäftigen, wenn es viel interessantere Dinge gibt, die es zu entdecken gilt?

 

Wie ist das bei dir?

Spürst du auch ständig diesen Drang in dir, dich verändern zu wollen (oder sogar zu müssen)?

Wie fühlt sich dein Leben dadurch an?

Was macht das mit deinem Lebensglück?

Und wie reagiert dein Körper darauf?

Meinst du  nicht, dass es viel Schöner und auch Sinnvoller ist, dich mit den Dingen zu beschäftigen, die dich glücklich machen, anstatt (d)einen Kampf gegen Windmühlen anzutreten, der dir dein Leben schwer macht?

Was machen meine Zeilen mit dir? Was lösen sie aus?

Schreib mir in die Kommentare und lass uns in Kontakt kommen.

Deine Sabine

 

PS: Hier findest du einen kleinen Ergänzungsartikel zu diesem Artikel, in dem ich darauf eingehe, warum „ich bin gut so, wie ich bin“ nicht bedeutet, dass du dich nicht mehr weiterentwickeln darfst. 😉

 

 

6 Kommentare - Sei der Nächste

  1. Liebe Sabine,
    sehr spannend… und ja kenne ich auch! Noch spannender finde ich aber die Eigenschaften anzunehemn, die nicht so vorzeigbar und sexy sind. Zum Einen zu schauen, was steckt hinter dem großen Einfühlungsvermögen und des Sich um andere Kümmerns..zum Beispiel das es da einen teil gibt der auf jeden Fall die weiße Weste anbehalten möchte. Oder mal zu schauen, welche Teile habe ich denn auch noch ausser denen, die so viele Frauen als ihre Schwäche „vorzeigen“ (sensibel, emotional, keine Grenzen setzen zu können)…
    Gibst da auch etwas was gerne rechthaben will, manchmal neidisch ist, keine Fehler machen möchte wegen einer narzisstischen Wunde? Wenn ich solche Anteile annehmen kann, dann muss ich mich gar nicht auf die positiven konzentrieren.. d. Am meisten Freiheit kommt, wenn ich auch diese unsexy Anteile sehen (die die Anderen ja sowieso schon alle entdeckt haben) und mit diesen humorvoll umgehen kann. Dann habe ich eine Riesenmannschaft an meinem inneren Tisch sitzen und es gibt nicht mehr die Peinlichen, die Negativen oder die Positiven. Sondern sie sind einfach alle! Das fühlt sich für mich am lebendigsten an!

    • Hallo liebe Steffi,

      danke für deine Sichtweise. 🙂

      Du sagst, dass es spannender ist, Eigenschaften anzunehmen, die weniger sexy und vorzeigbar sind.

      Findest du wirklich? Also für mich gibt es nichts Spannenderes, als die Eigenschaften anzunehmen, die man immer „weg haben will“; mit der man SELBST nicht im Reinen ist. Und dabei spielt es doch keine Rolle, wie andere Menschen diese Eigenschaften finden (sexy, unsexy, vorzeigbar etc). Da zählt, meiner Meinung nach, nur mein eigenes Gefühl zu diesen Eigenschaften. Für MICH PERSÖNLICH war es viel herausfordernder, meine weiche und sensible Art zu akzeptieren (auch wenn das ich anderen Augen vielleicht was Positives ist), als z.B. meine manchmal aufbrausende Art oder meine Ungeduld, oder meine Neugierde, die andere Nerven kann.

      Und ja, natürlich, da hast du recht. Es gibt immer Dinge, die drunter liegen und wo man hin schauen darf. Da bin ich ganz bei dir.

      Mir ging es hier jetzt eher darum, dass wir aufhören, uns immer anders haben zu wollen, anstatt uns mit Freude und Leidenschaft ins Leben zu stürzen.

      Und was du sagst mit „wenn alle Eigenschaften an einem Tisch sitzen“, jaaaa, das ist VOLLKOMMENHEIT. Dann ist es rund. Auch da bin ich ganz bei dir.

      In diesem Artikel möchte ich einfach sagen: genieße dein Leben, feiere es, LEBE es, anstatt deine Zeit damit zu vergeuden, dich anders haben zu wollen. Und schaue, wo dieses ungeliebten Eigenschaften (die du selbst an dir doof findest) vielleicht sogar ein Mehrwert sein können.

      Lieben Dank für deine Zeilen.

      Liebe Grüße, Sabine ♥

  2. Liebe Sabine,
    dein Artikel passt so hervorragend in meine momentane Gefühlswelt, das ist einfach grandios. Beim lesen deiner Zeilen musste ist ständig lächeln, nicken und mein Gedanke dazu, wie recht du damit hast. Sich wertschätzen mit all seinen Eigenschaften, die uns einzigartig und menschlich machen, dies fällt uns oft so schwer, weil das Außen uns oft etwas anderes suggeriert.
    Deine Worte haben mich sehr berührt, danke dafür und ganz liebe Grüße von Susan

    • Hallo, meine liebe Susan,

      zufälligerweise kenne ich dich ja ein „klein bisschen“ und DU bist auch so ein typischer Fall von „tolle, wundervolle, herzliche und liebenswerte Frau“, die eben gewisse Eigenschaften an sich ablehnt und viel Energie dafür aufwendet, sich anders haben zu wollen.

      Und genau solchen Frauen wie DIR möchte ich sagen:
      Nutze deine Energie für das, was dich glücklich macht, was dich erfüllt und was die Lebensgeister in dir weckt, anstatt deine naturgegebenen Eigenschaften zu bekämpfen.

      Das, was du an dir „weg haben willst“, wird so so so dringend gebraucht.

      Ganz ganz liebe Grüße,

      deine Sabine

      • Liebe Sabine, danke für deine liebevollen Zeilen. Beim Lesen hatte ich wieder ein breites Lächeln auf den Lippen und „zufälligerweise“ gebe ich dir vollkommenen recht. Es fällt mir noch immer schwer mit meinen „speziellen Eigenschaften“ umzugehen und diese anzunehmen. Nun bin ich gerade dabei genau für diese Eigenschaften den Platz zu finden, um diese für andere zum Einsatz zu bringen. Mein Gefühl dabei ist noch unsicher, vielleicht sollte ich es einfach fließen lassen und vertrauen. Es bleibt spannend.
        Liebe Grüße von Susan

  3. Liebe Sabine,

    ein klasse Artikel, den du da geschrieben hast. Ich bin vor kurzem auf deine Seite gestoßen. Ich glaube es ist heute so wichtig, sich selbst so anzunehmen wie man ist, in seiner ganzen Tiefe, mit seinem ganzen Sein, mit seinen Bedürfnissen, in seiner ganzen Vollkommenheit in LIEBE. Jeder Mensch ist so einzigartig und wundervoll. Jedoch denke ich, das den meisten Menschen das „wie“ fehlt. Es fehlt an „Werkzeug“, wie nehme ich mich selbst an, wie integriere ich all meine Anteile. Was sind meine Bedürfnisse und wie kann ich diese nach außen vertreten und mich abgrenzen? In unser heutigen Zeit, mit all den Außenreizen nehmen sich die wenigsten Zeit für diese Reflexion und Erkundung über sich selbst. Letztendlich liegt es m.E. jedoch auch daran das dies nicht gesellschaftlich kultiviert wird. Wir sind alle so sehr mit Ablenkung „im Außen“ und „Funktionieren im Hamsterrad“ beschäftigt. Das „Wie“ versuche auch ich therapeutisch meinen Patienten und Klienten zu vermitteln, sie auf ihren Weg zu sich selbst zu begleiten.

    Alles Liebe und feiert Euch selbst und euer Leben.

    „Auf dein jetziges Leben kommt es an, jetzt sollst du glücklich und entspannt sein – nicht erst nach zahllosen Aufschüben.“ (S. Plath)

    Lg, Josi

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